Frau auf Matratze - Gelmatratzen erklärt
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Gut liegen mit Gelmatratzen

« Die Eigenschaften von Gelschaum »

Lange Zeit galten Matratzen mit Federkern als Luxus und stellten den Standard für hohen Schlafkomfort. In den vergangenen 30 Jahren hat die Forschung aus unterschiedlichen Fachgebieten – von der Materialforschung bis zu Erkenntnissen der Physiologie und Orthopädie – dazu geführt, dass der „Klassiker“ von neuen Materialien wie Visco-, Latex- und zuletzt Gelschaum verdrängt wurde. Unter diesen drei Varianten stellen Gelmatratzen die neueste Entwicklung dar und gewinnen dank ihrer Vorteile rasch an Popularität. Allerdings wird der Begriff Gelmatratze nicht einheitlich verwendet. Was genau unter einer solchen Schlafunterlage zu verstehen ist, erfahren Sie in diesem Artikel.

Eine kurze Geschichte der modernen Schlafkultur

Die Matratze ist eine moderne Errungenschaft – bis in das 20. Jahrhundert hinein war es in weiten Teilen der Gesellschaft die Regel, dass Menschen direkt auf Stroh schliefen. Lediglich reiche und einflussreiche Persönlichkeiten konnten es sich leisten, das Stroh durch weichere Federn zu ersetzen. Die „moderne“ Matratze trat ihren Siegeszug erst mit der industriellen Herstellung der Stahlfeder im Jahr 1857 an. Der deutsche Erfinder Heinrich Westphal stellte aus diesen Federn ein Geflecht her und schuf so die erste Federkernmatratze. Den überwältigenden Erfolg seiner Erfindung erlebte Heinrich Westphal nicht mehr – er verstarb verarmt.

Federkernmatratze, Innenleben
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Im 20. Jahrhundert entwickelten sich die Matratzen kontinuierlich weiter. Meilensteine dieser Entwicklung waren die Erfindung des Boxspringbettes, die erste Schaumstoffmatratze aus Latex, die Entwicklung von Visco oder die industrielle Herstellung von Gelschaum. Als Standard konnten sich der mechanische Federkern oder – als Variante – das Boxspringbett dabei bis in die 90er Jahre halten. Erst dann standen technische Verfahren zur Verfügung, die eine effiziente und qualitativ hochwertige Produktion von Kalt-, Visco- Latex- und Gelschaum in einem industriellen Maßstab zuließen.

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Gelmatratze – eine mehrdeutige Bezeichnung

Wie andere Bezeichnungen im Handel unterliegt der Begriff „Gelmatratze“ keiner gesetzlichen Regulierung, sondern hat sich im Laufe der Zeit aus dem Angebot neuer Produkte entwickelt. Aus diesem Grund existieren drei Varianten, die untereinander in keinem eindeutigen Zusammenhang stehen. Ursprüngliche verstand man unter Gelmatratzen eine Hülle, die mit einem – bei Zimmertemperatur – halbflüssigen Gel befüllt wurde. Diese Variante bietet einen Liegekomfort, der mit dem eines Wasserbetts vergleichbar ist.

Die zweite Variante bezeichnet eine konventionelle Matratze, die auf der Liegefläche kleine Kapseln oder eine geschlossene Schicht aus Gel aufweist. Dieses passt sich, ähnlich wie es bei Visco der Fall ist, an den Körper an. Stellen mit direktem Körperkontakt geben nach, während die äußeren Schichten durch ihre festere Konsistenz den Druck abstützen. Im Inneren dieser Matratzen sitzt ein Kern aus Schaumstoff, der diesen Effekt auf ein bestimmtes Maß begrenzt. Der Vorteil dieser Schlafunterlage besteht in ihrer berührungsempfindlichen Oberfläche. Diese passt sich flexibel den Körperkonturen an. So lassen sich die Vorteile eines Wasserbetts mit denen einer orthopädischen Matratze kombinieren.

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Bei der dritten Version handelt es sich um Schlafunterlagen, die aus Gelschaum hergestellt werden. Dieses Material ist eine Kombination aus klassischem Kaltschaum und Gel. Es vereint also eine flüssige und eine feste Komponente. Der Kalt- und Gelschaum verbinden sich zu einer Einheit, die die Eigenschaften von beiden Bestandteilen aufweist. Das grundlegende Problem bei der Verwendung eines Gels in einer Schlafunterlage bestand lange Zeit darin, dass es vollständig eingeschlossen werden musste. So war keine optimale Atmungsaktivität gewährleistet. Eine aufgeschäumte Gelmatratze integriert es hingegen, um das flüchtige Material zu binden und in eine feste Struktur einzubetten.

Junger Mann liegt auf Matratze - moderne Gelmatratzen im Portrait
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Aufbau einer Matratze aus Gelschaum

Jede Gelmatratze – mit Ausnahme solcher, die mit Gel befüllt werden – weist einen Kern aus Kaltschaum auf, den eine 2 bis 8 cm dicke Schicht aus Gelschaum oder ein Kammersystem umgibt. Wäre sie ausschließlich aus Gelschaum, würden die Schläfer tief in die Matratzen einsinken, da das Material bei Druck und Wärme nachgibt. Wie bei Kaltschaummatratzen gilt das Raumgewicht als wichtiger Indikator für die Qualität. Dabei ist zu beachten, dass das normale Raumgewicht deutlich über dem von anderen Schäumen liegt. Um eine gute Qualität zu gewährleisten, empfiehlt sich ein minimales Raumgewicht von 50 für die Platte aus Gelschaum und mindestens 30 für den Kern. Die Höhe der gesamten Gelmatratze sollte mindestens 15 cm bis 20 cm betragen.

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Wichtig ist darüber hinaus, dass Gelschaummatratzen immer mit einem geeigneten Lattenrost kombiniert werden. Da die Liegefläche vergleichsweise weich ist, prägen sich die Leisten des Rostes in das Material ein, wenn sie einen großen Abstand untereinander aufweisen. Das Problem verstärkt sich durch das recht hohe Eigengewicht von Gelmatratzen, das deutlich über dem von Kalt- und Latexschaum liegt. Aus diesem Grund ist ein hochwertiger Lattenrost zu empfehlen, der mit 24 oder mehr Federleisten ausgestattet ist, die maximal 5 cm voneinander entfernt sind.

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Herstellung von Gelschaummatratzen

Technisch betrachtet beruht jede Latex-, Visco-, Kalt- und Gelschaummatratze auf einem ähnlichen Produktionsverfahren. Die Hersteller schäumen einen zähflüssigen Werkstoff durch ein Gas auf und dieser erstarrt während des Prozesses, sodass sich eine flexible Struktur bildet. Die Eigenschaften wie Härte, Widerstand bei Belastung, Rückstellkraft und Haltbarkeit hängen stark von dem Material und der Produktion ab. Das Problem bei der Herstellung von Gelmatratzen liegt wie bei anderem Schaumstoff darin, dass es sich um einen mitunter unberechenbaren Werkstoff handelt. Obwohl sich die Bildung von Blasen, die die späteren Hohlräume bilden, über einige Parameter steuern lässt, erfolgt die Verteilung während der Erstarrung weitgehend unvorhersehbar. Die Herausforderung besteht darin, dass sich durch die ungleichmäßige Verteilung keine Hohlräume bilden können, die einen Schwachpunkt bilden.

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Komfortabler Schlaf durch eine Gelschaummatratze

Bei Gelschaum handelt es sich um eine Weiterentwicklung von Viscoschäumen. Er besitzt ähnliche Eigenschaften, reagiert jedoch rascher auf eine Änderung der Schlafposition und setzt Bewegungen weniger Widerstand entgegen. Das Material ist deswegen ideal für Menschen geeignet, die eine hohe Druckentlastung im Schlaf benötigen. Es ermöglicht sehr weiche, punktelastische Oberflächen, die sich individuell an den Nutzer anpassen. Gleichzeitig stützt der härtere Kern der Schlafunterlage die Wirbelsäule und sorgt für eine ergonomisch optimale Lagerung. Aus diesem Grund bevorzugen insbesondere Pflegeeinrichtungen wie Krankenhäuser und Altersheime seit längerem orthopädische Gelmatratzen. Diese sorgen bei bettlägerigen Menschen für eine gute Durchblutung des Gewebes und gewährleisten so eine schonende Lagerung. Darüber hinaus zeichnen sich Gelschaummatratzen durch ihre hohe Atmungsaktivität aus. Außerdem schont die Schicht aus Gelschaum den Matratzenkern, sodass sie eine lange Lebenserwartung besitzen. Für die meisten Menschen ist das Material ideal geeignet, um darauf gesunden Schlaf zu finden. Lediglich die Minderheit der Bauchschläfer bildet eine Ausnahme. In dieser Schlafposition sinken die Schlafenden oft zu tief ein, was zu Verspannungen in der Skelettmuskulatur führen kann.