Startseite | Das perfekte Bett | Matratze auf Boden legen
Frau leigt auf einer Matratze, die direkt auf dem Boden liegt
© benevolente - stock.adobe.com

Matratze auf Boden legen

« Reicht das für gesunden Schlaf? »

Ist ein Bett wirklich nötig, um dem Schlaf einen gesunden Rahmen zu geben? Viele Menschen spielen mit dem Gedanken: Einfach eine hochwertige Matratze auf den Boden zu legen, könnte doch ebenso ausreichen. Ob und unter welchen Umständen das eine gute Idee wäre oder eher nicht, erfahren Sie hier.

Zurück zum Ursprung – die Pros

Es kann verschiedene Gründe geben, die Sie in Versuchung bringen, sich einfach auf dem Boden betten zu wollen. Tatsächlich richten sich zahlreiche Menschen ihre Schlafstätte genau so ein, indem sie lediglich die Matratze auf den nackten Boden legen, Laken und Bettwäsche darüber und fertig ist das irgendwie „cool“ anmutende Lager. Der Wunsch nach einem möglichst unkomplizierten Lebensstil spielt dabei oft eine Rolle. Weniger Überfluss, mehr Rückbesinnung auf das Wesentliche. Schließlich schlief man in der Altsteinzeit ebenfalls in Höhlen am Boden. Wer etwa dem Paleo-Lifestyle folgt, orientiert sich vermehrt an der Lebensweise der Steinzeitmenschen und könnte mit dem verwegenen Schlafkonzept eine Annäherung an dieses Flair erreichen.

Überhaupt vermittelt die Matratze am Boden ein Gefühl der Freiheit und Unabhängigkeit von vorgegebenen Mustern. Im Bett schlafen kann ja jeder. Neben diesen Überzeugungen stellt auch der pure Kostenfaktor einen verlockenden Grund dar, auf Lattenrost und Bettgestell zu verzichten. Deshalb handelt es sich bei der Schlafstätte am Boden häufig um eine beliebte Übergangslösung in Zeiten von Engpässen oder beim Beziehen einer neuen Wohnung. Wenn es jedoch darum geht, dauerhaft in dieser minimalistischen Art zu nächtigen, gibt es neben diesen facettenreichen Pros auch einige Contras zu berücksichtigen.

Junge schläft auf Matratze, die direkt auf dem Boden liegt
© Jasmin Merdan – stock.adobe.com

Komplizierter als gedacht – die Contras

Was zunächst so herrlich einfach klingt, bringt doch ein paar ungeahnte – oder bei genauerer Betrachtung gar nicht so fernliegende – Stolpersteine mit sich. Zwei Punkte sollten Sie bei dem Vorhaben, Ihre Matratze ohne Bett zu nutzen, noch einmal genauer überdenken.

1. Umfassende Belüftung muss gewährleistet sein

Über Nacht entsteht viel Feuchtigkeit durch die natürliche Transpiration. Etwa einen halben Liter schwitzt der Mensch im Schlaf aus. Diese Nässe staut sich unter der Decke. Die Matratze nimmt diese Flüssigkeit zunächst auf und führt sie so vom Körper weg, für ein wohltemperiertes Schlafklima. Allerdings darf die Feuchtigkeit keinesfalls in der Schlafunterlage verbleiben, sondern muss ebenfalls nach außen abgeführt werden können. Dafür ist eine umfassende Luftzirkulation notwendig. Hier kommt der Lattenrost oder im Falle eines Boxspringbettes der Federkasten ins Spiel: Denn beide fungieren als Platzhalter zum Untergrund und erlauben so eine umfassende Belüftung von allen Seiten.

Boxspring-Matratze BOXXI - Der Boxspring-Luxus für herkömmliche Betten mit hochwertigem Gelschaum

Liegen Matratzen hingegen direkt auf dem Boden auf, geht die gesamte Unterseite für die Luftzirkulation verloren. Einzig über die schmalen Seitenkanten kann das Gewebe in diesem Fall „atmen“. Das reicht über Dauer allerdings nicht aus. Feuchtigkeit kann sich dann in der Schlafunterlage ansammeln. Daraus resultiert einerseits ein unangenehmes Schlafklima, in dem sich wiederum ungebetene Gäste wie Bakterien, Milben und Pilze äußerst wohlfühlen. Auch besonders hochwertige Matratzen nehmen so Schaden und werden in ihrer Lebensdauer massiv beschnitten. Schlimmstenfalls drohen sie sogar von innen heraus zu verschimmeln.

2. Der Rücken benötigt ausreichende Unterstützung

Hinzu kommt, dass die Matratze auf dem Boden ohne Hilfe von Lattenrost und Co. die gesamte Unterstützung des Rückens selbst tragen muss. Dünne Ausführungen oder sehr kostengünstige Optionen halten dem oft nicht stand. Sie besitzen kein ausreichendes Raumgewicht, um selbst normalgewichtige Personen stemmen zu können. Daraus folgt, dass Sie ohne flexible Federung direkt auf dem starren Wohnungsboden aufliegen. Unter Umständen kann die Wirbelsäule ihre natürliche Krümmung nicht einnehmen und auch die punktgenaue Unterstützung ist nicht mehr voll gegeben. Mittlerweile ist erwiesen, dass hartes Liegen keineswegs Gold für den Rücken ist, sondern ganz im Gegenteil langfristig zu Schäden, Fehlhaltung und weiteren Problemen wie Gelenkschmerzen führen kann.

Mann in Seitenschläferposition
© Africa Studio – stock.adobe.com

Weitere Argumente gegen das Schlafen auf dem Boden

Je nach individuellem Gesundheitszustand, können für einige Menschen noch weitere Punkte gegen die Matratze auf dem Boden sprechen. Wer etwa älter oder im Bewegungsumfang eingeschränkt ist oder unter Allergien leidet, profitiert aufgrund der folgenden Begebenheiten wahrscheinlich mehr von einem normalen Bett:

  • Der Ein- und Ausstieg fällt ebenerdig deutlich anstrengender aus
  • In Bodennähe zirkuliert mehr Hausstaub und lässt sich bei Allergien schlechter unter Kontrolle halten
  • Meist ist es kälter, zudem besteht mehr Zugluft
  • Insgesamt herrscht „unten“ schlechtere Luftqualität (Kohlendioxid konzentriert sich am Boden)

Optimale Matratze für den Boden

Dennoch bedeuten die Gegenargumente nicht grundsätzlich, dass Sie auf Ihre Vision vom erdverbundenen Nachtlager verzichten müssen. Nur die Vorstellung von Unkompliziertheit gilt es, aufzugeben. Schließlich müssen Sie die Aufgabe von Lattenrost oder Bettgestell einfach selbst übernehmen. Das bedeutet, sie haben Ihre Schlafunterlage mehrmals pro Woche zu lüften. Hochheben und senkrecht aufstellen, sodass die Unterseite für mehrere Stunden frei belüftet werden kann. Daraus wiederum ergibt sich ein klares Beuteschema für den nächsten Matratzenkauf:

Matratzen aus Latex oder Ausführungen aus dem derzeit sehr gefragten Visco-Schaum sind besonders angewiesen auf eine perfekte Luftzufuhr, da sie Feuchtigkeit weniger gut abtransportieren. Wer hier auf das Lüften in Handarbeit verzichtet, muss klar mit Schimmel rechnen. Allerdings kommt gerade bei Latex-Varianten erschwerend hinzu, dass sie ein enormes Gewicht mitbringen.

Schwarzwaldmarie Natur, Latexmatratze, 7-Zonen, Bezug waschbar, Made in Germany

Als weitaus geeigneter für Ihr bodennahes Schlafvorhaben erweisen sich atmungsaktive Matratzen aus Kaltschaum oder PU-Schaum. Moderne offenporige Schaumstoff-Designs leiten die Flüssigkeit problemlos auch nach oben hin und zu den schmalen Seiten ab. Zudem sollte das gewählte Modell möglichst hoch ausfallen. Eine Höhe von mindestens 20 Zentimetern ist angemessen. Zudem empfiehlt sich eine exakte Anpassung auf Ihre individuelle Statur in Sachen Härtegrad, Maße und Zonen.

OrthoMatra KSP-500 XXL, Matratze in Härtegrad H4 7 Zonen

Optimale Bodenhaftung

Auch der Untergrund spielt eine Rolle. Wenn die Wahl der Schlafunterlage stimmt, ist der Wohnungsboden zwar zweitrangig, von Fliesen über Laminat und Linoleum bis hin zum Teppichboden sind alle Varianten möglich. Ein Ausschlusskriterium existiert jedoch, und das ist die Fußbodenheizung. Wer seine Wohnung über diese Methode heizt, sollte besser auf das gute alte Bett zurückgreifen. Das Gleiche gilt, wenn Ihr Schlafraum insgesamt anfällig für Feuchtigkeit und Schimmel ist.

Hasena Bett Wood-Wild, Solido-23 massive Wildbuche geölt, mit Kopfteil und Füßen

Ein Leben ohne Bett ist möglich…

…aber nicht unkompliziert. So revolutionär die Idee heute scheinen mag: Auf dem puren Untergrund zu schlafen hat eine lange Tradition, ganz besonders im asiatischen Raum und noch genauer in Japan und Korea. Seit Jahrhunderten besteht die Schlafstätte hier aus einer Art Matte, die am nächsten Morgen gelüftet und eingerollt verstaut wird. Um die Lüftung kommen Sie also nicht herum, wenn Sie Ihre neue Schlafstätte auch ungeachtet der Gegenargumente erdverbunden einrichten wollen.

Japanische Futon Betten
© Paolo Marzio – stock.adobe.com

Hilfreich ist es, für die Umstellung genügend Zeit und Raum einzuplanen. Wechseln Sie vom Bett auf den Boden, dann legen Sie Ihren Umzug möglichst in eine Urlaubswoche, sodass auch ein zunächst unruhiger Schlaf kein großes Problem darstellt. Für einen sanfteren Start können Sie sich auch vorerst den Lattenrost mit zur Hilfe nehmen.

Wer also keine körperlichen Einschränkungen mitbringt, auf eine geeignete Matratzenwahl achtet und überdies bereit ist, alle paar Tage etwas Kraftaufwand für die Lüftung zu betreiben, kann mit der bodennahen Schlafstätte durchaus glücklich werden. Liegt Ihr Fokus hingegen auf wirklich unkompliziertem Schlafkomfort, sollten Sie sich ein solides Bett gönnen.