Frau schläft auf dem Boden
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Schlafen auf dem Boden

« Gesund oder schädlich? »

Es ist schon lange kein Zeichen von Armut mehr, wenn Menschen auf dem Boden schlafen. Immer mehr entscheiden sich bewusst für diesen Schritt – sei es, um eine minimalistische Lebensweise zu pflegen oder weil sie sich dadurch gesundheitliche Vorteile erhoffen. Dabei ist zu berücksichtigen, dass außerhalb der oberen Schicht im europäisch-westlichen Kulturraum das Schlafen in einem Bett bis vor etwa ein Jahrhundert ohnehin eine Ausnahme darstellte. Das Schlafen auf dem Boden – ohne Lattenrost und ohne Matratze – kann deshalb eigentlich als normal betrachtet werden. Doch warum hat sich das Bett mittlerweile dennoch durchgesetzt und ergeben sich aus ihm praktische Vorteile für die persönliche Gesundheit?

Das eigene Bett – eine moderne Erscheinung

Kulturhistorisch betrachtet ist das Bett als Schlafstätte eine seltene Ausnahmeerscheinung. Bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts war es auch in Europa für den überwiegenden Teil der Bevölkerung üblich, auf dem Boden zu schlafen. In den meisten anderen Teilen der Welt – sei es in Asien, Südamerika, Australien oder Afrika – waren Betten entweder vollständig unbekannt oder lediglich einer sehr kleinen Elite vorbehalten. Typische Schlafstätten wurden allein zur Abwehr von Gefahren, wie giftigen Insekten oder großen Raubtieren, errichtet. Ungewöhnlich ist auch die heutige Trennung zwischen Wohn-, Arbeits- und Schlafräumen, die früher häufig schon aufgrund von baulichen Voraussetzungen keine realistische Option darstellte. Allein der Arbeitsaufwand für die Errichtung getrennter Schlafräume stand meist in keinem Verhältnis zu deren Nutzen.

Mann schläft auf Boden
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Auch die antiken, europäischen Hochkulturen der Römer und Griechen verwendeten kein Bett in heutigem Sinne. Ihre Schlafstellen bestanden stattdessen entweder aus einfachen, durchgehenden Liegen oder gemauerten Nischen und wurden nicht mit Matratzen, sondern mit Kissen und dünnen Unterlagen ausgestattet. Wer sich die Mühe macht, historische Betten zum Beispiel in Museen oder den Schlössern des früheren Adels etwas genauer zu betrachten, stellt rasch fest, dass auch der Lattenrost in der Vergangenheit unbekannt war. Statt ihm findet sich eine durchgehende Holzfläche – der einzige Unterschied zu einer Matratze auf dem Boden findet sich in der erhöhten Position, die repräsentativen Charakter hatte und nebenbei das Aufstehen erleichtert.

Der Lattenrost – Erzwungene Sparsamkeit führt zu einem gesundheitlichen Fortschritt

Es erscheint zunächst widersprüchlich – die Erfindung des heutigen Lattenrostes ist ein Resultat von akutem Mangel. Durch die Lücken zwischen den einzelnen Leisten lassen sich bis zu drei Viertel des ursprünglichen Bodens in einem Bett einsparen, wodurch sich der Bedarf an Material reduziert und die Kosten sinken. Ironischerweise setzte sich diese Konstruktion deshalb zunächst in armen Haushalten durch, obwohl sie eine positive Auswirkung auf die Gesundheit aufweist. Der Grund ist die verbesserte Atmungsaktivität, die aufgrund der Durchlüftung von unten in der Vergangenheit den Befall mit Insekten senkte und die Ausbreitung von Keimen hemmte. Dieser Effekt wurde erst Ende des 19. Jahrhunderts entdeckt und setzte sich schnell als allgemeiner Konsens unter den zeitgenössischen Ärzten durch. Der Lattenrost hilft deshalb nicht allein bei einer ergonomisch günstigen Schlafposition, sondern beugt auch Parasiten, Krankheiten und – in der modernen Zeit – der Vermehrung von Mikroorganismen wie Milben vor.

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Auf dem Boden schlafen – Die Probleme

Wenn Personen mit der Matratze auf dem Boden schlafen, ist es gerade diese mangelnde Durchlüftung, die nicht vernachlässigt werden sollte. Während einer einzigen Nacht sondert ein Mensch bis zu einem Liter Flüssigkeit – vor allem Schweiß – ab, der lediglich zu einem geringen Prozentsatz verdunstet. Den überwiegenden Anteil nimmt hingegen die Unterlage auf, wo die feuchte Umgebung in Zusammenhang mit den abgestoßenen Hautschuppen, Haaren und anderen organischen Substanzen eine nährstoffreiche Umgebung bildet. In diesem nahezu optimalen Biotop, das sich aus der Körperwärme, ausreichender Zufuhr von Nahrung, hoher Feuchtigkeit und geschützten Lebensräumen in dem Inneren von Poren zusammensetzt, vermehren sich Bakterien und andere Mikroorganismen wie Milben rasch. Aus biologischer Sicht entspricht eine Matratze auf dem Boden ohne angemessene Pflege einem Nährmedium, auch wenn optisch über lange Zeit kein akuter Befall zu erkennen ist.

Schimmel auf einer Matratze
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Ein zweites Problem entsteht durch die Tatsache, dass die meisten Matratzen nicht für die direkte Lagerung auf einer planen, gleichmäßigen Oberfläche ausgelegt sind. Lattenroste bewirken eine zusätzliche Federung, die bei individueller Verstellbarkeit eine Feinabstimmung des Bettsystems ermöglicht. Liegen sie direkt auf dem Boden, relativieren sich bei einigen Modellen die positiven Effekte, weil der Untergrund nicht die für ein Bettgestell übliche Flexibilität aufweist. Aus einem guten Grund bestehen Betten in privaten Haushalten fast ausschließlich aus Holz – das hat nicht nur ästhetische Gründe, sondern dessen Biegsamkeit federt im Gegensatz zu Metallen spontane Belastungen ab, so dass in Verbindung mit den Lattenrosten und der Matratze ein dreifacher Puffer entsteht.

Auf dem Boden schlafen – die Vorteile

Allerdings spricht ebenfalls einiges dafür, eine Matratze auf der Erde zu verwenden. Bei einer geeigneten Auswahl bildet sie eine nahezu optimale Unterlage, die andere Einflüsse nicht verändern und deren spezifischen Charakteristika optimal erhalten. Bei einer schlechten Abstimmung eines Bettsystems geschieht es nicht selten, dass die positiven Eigenschaften einer hochwertigen 7-Zonen-Matratze aufgehoben oder sogar in das Negative verkehrt werden.

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Grundsätzlich ist der Boden ein geeigneter Ort für das Schlafen, wenn er die richtige Beschaffenheit aufweist. Kalte und sehr harte Oberflächen wie zum Beispiel Fliesen sind ohne eine geeignete Isolation selbstverständlich ungeeignet, optimale Eigenschaften besitzen hingegen warme und leicht elastische Materialien wie Teppiche. Gesundheitlich wirkt sich ein harter Untergrund in den meisten Fällen positiv aus, sofern keine individuellen, körperlichen Einschränkungen diesem widersprechen. Unter normalen Umständen passt sich ein Körper in seinen Schlafgewohnheiten den äußeren Bedingungen an, indem er beispielsweise auf eine übermäßige Belastung einzelner Regionen durch eine Drehung reagiert. Bei der Verwendung einer geeigneten Matratze entstehen ohnehin keine signifikanten Unterschiede zum Schlaf in einem Bett.

Tatami – eine gesunde Alternative zu dem klassischen Bett

Es kann sich aber durchaus lohnen, einen Blick auf die Schlafgewohnheiten in anderen Teilen der Welt zu werfen. In Japan ist es auch heute noch durchaus üblich, kein Bett, sondern den Boden zu verwenden. Dabei wirken sich die besonderen Eigenschaften der traditionellen Bauweise positiv aus – die Fußböden bestehen in der klassischen Architektur aus Tatami-Matten, die einen Kern aus festem Reisstroh und eine Umwicklung aus Binsen aufweisen. Zusammen ergibt sich eine flexible und ausgezeichnet isolierende Oberfläche, die sich gemeinsam mit einem relativ dünnen Futon ausgezeichnet zum Ausruhen eignet. Tatami-Matten sind auch in Deutschland erhältlich und stellen eine – auch optisch attraktive – Alternative zu dem klassischen Bett dar.

Futon auf Tatami-Matten - Schlafen auf dem Boden ist in Asien nicht ungewöhnlich
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Besonderheiten bei einem Boden als Schlafstelle

Prinzipiell spricht in den meisten Fällen nichts gegen den Schlaf auf der Erde. Wichtig ist, dass eine Matratze nach der Nacht gründlich auslüftet, indem sie zum Beispiel schräg an eine Wand gestellt wird. Bei der Verwendung eines Futons oder einer anderen dünnen Unterlage benötigen die meisten Menschen eine Gewöhnungsphase, die von mehreren Tagen bis zu wenigen Wochen anhält. Es ist durchaus normal, dass besonders in der Anfangszeit Verspannungen und Rückenschmerzen auftreten, weil sich auch der Körper und die Schlafmotorik zunächst an die neuen Bedingungen gewöhnen müssen. Die Symptome verschwinden fast immer spätestens nach einigen Nächten vollständig – ist dies nicht der Fall, ist ein Schlafen ohne Matratze nicht empfehlenswert