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Matratzen aus Viscoschaum

« Eigenschaften, Vor- und Nachteile im Überblick »

In den letzten Jahrzehnten haben sich Matratzen aus Viscoschaum bei hochwertigen Matratzen durchgesetzt – dafür gibt es mehrere Gründe. Das Material bietet ausgezeichnete Eigenschaften, die es für zahlreiche Anwendungen und empfindliche Personen ideal machen. Für einen gesunden Schlaf besitzt es in vielen Fällen Vorteile, die kein anderes Matratzenmaterial aufweist. Durch was sich Viscoschaummatratzen genau auszeichnen, sehen wir uns etwas näher an.

Viscoschaum – ein Produkt der Weltraumforschung

Die Entwicklung von Viscoschaum geht ursprünglich auf die Materialforschung für die NASA zurück. Gesucht wurde ein elastischer Schaumstoff, der Astronauten vor den extremen Beschleunigungen bei dem Start einer Rakete und bei Erschütterungen schützt und sich aktiv an seine Umweltbedingungen anpasst. Es handelt sich um ein sogenanntes thermoaktives Material, das die Härte an seiner Oberfläche mit der Temperatur verändert. Der Werkstoff besitzt darüber hinaus eine Zähigkeit, die sich mit der eines langsam fließenden Gels vergleichen lässt, so dass es drucksensibel ist.

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Bei Belastung prägt sich die Form eines Gegenstands zunächst in die Viscoschaummatratzen ein, nach der Entlastung kehrt sie jedoch in ihre ursprüngliche Form zurück. Dabei geschieht dieser Vorgang jedoch nicht wie bei einer konventionellen Schaumstoffmatratze schlagartig, sondern der Viscoschaum fließt stattdessen langsam zurück in seine ursprüngliche Gestalt. Aus diesem Grund wird er häufig auch mit dem englischen Begriff „Memory Foam“ oder auf Deutsch „Gedächtnisschaum“ bezeichnet. Aus dieser Eigenschaft leitet sich auch der Name ab, der eine Abkürzung von Viskosität – also der Zähflüssigkeit eines Werkstoffs – ist.

Die besonderen Eigenschaften von Matratzen aus Viscoschaum

Das erste Merkmal einer Viscoschaummatratze ist seine spezielle Oberfläche, die – wie bereits erwähnt – thermoelastisch ist. Das bedeutet, wenn sich ein Mensch auf diese Matratze legt, erwärmt sich der entsprechende Bereich und wird in diesem Areal weicher. Dadurch entwickelt sich nicht neben der Stützkraft von unten auch eine weitere von der Seite, die die ergonomisch günstige Haltung beim Schlafen begünstigt. Das führt unter anderem zu dem Effekt, dass die Matratzen auf der Oberfläche weicher wirken, ohne Stützkraft einzubüßen. Viele Menschen empfinden sie noch bei einem hohen Härtegrad als angenehm und bezeichnen das Gefühl beim Schlafen als „schwebend“. Das zweite besondere Kennzeichen einer Viscoschaummatratze ist, dass sie sehr druckempfindlich ist und eine hohe Punktelastizität besitzt. Auch dies ist in einer gewissen Weise das Resultat der thermoelastischen Oberfläche: An den Stellen, an denen ein hohes Gewicht auf der Unterlage ruht, erwärmt sich diese stärker und das entsprechende Körperteil kann tiefer einsinken.

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Bei einem leichten Druck oder einer kleinen Fläche behält diese hingegen seine ursprüngliche Härte bei und bietet einen größeren Widerstand. Qualitativ sind die meisten Modelle relativ hochwertig, da sich das Material nicht ohne technische Kenntnisse sowie eine optimierte und exakt abgestimmte Prozesskontrolle herstellen lässt. Der Aufwand der Produktion liegt deutlich über der von konventionellen Schaumstoffmatratzen und muss unter kontrollierten Bedingungen erfolgen, die die technischen Unterschiede in der Qualität relativieren. Das bedeutet allerdings nicht, dass in anderen Punkten keine deutlichen Differenzen zwischen verschiedenen Viscoschäumen bestehen.

Unterschiede zwischen verschiedenen Sorten von Viscoschaum

Für Matratzen aus Viscoschaum setzen Hersteller drei unterschiedliche Varianten des Werkstoffs ein, die sich in erster Linie durch ihre Struktur voneinander unterscheiden. Diese gliedern sich in:

  • imprägnierte Schäume
  • auf Estern basierende Schäume
  • schockabsorbierende SAF-Schäume (Shock Absorbing Foam)

Imprägnierter Schaum zeichnet sich durch eine versiegelte und undurchlässige Oberfläche aus, die Feuchtigkeit abweist und praktische keine Atmungsaktivität ermöglicht. Er ist relativ schwer und starr und fühlt sich bei einer direkten Berührung leicht ölig an. Zu seinen Vorteilen zählt eine sehr lange Lebensdauer, da die verschlossene und verstärkte Zellstruktur sehr dauerhaft sind und auch hohen mechanischen Belastungen widersteht. Ester ist eine chemische Verbindung, deren Moleküle sich aus bestimmten Stoffgruppen zusammensetzen.

Werden Viscoschäume gezielt „verestert“, entstehen unregelmäßige Zellstrukturen mit Poren, Kanälen und Hohlräumen (Lunker), die eine (eingeschränkte) Atmung des Materials erlauben. Allerdings senkt dies auch dessen Haltbarkeit, weil im Laufe der Zeit die relativ dünnen Zellwände brechen können.

Die hochwertigsten Viscoschäume sind spezielle SAF-Schäume, die die Eigenschaften der beiden vorgenannten weitgehend miteinander verbinden. Sie besitzen eine kleinere und regelmäßige Zellstruktur mit relativ dicken Wänden und weisen dadurch eine längere Haltbarkeit und gleichzeitig eine höhere Atmungsaktivität auf. Leider sind sie auch kostenintensiver, rentieren sich durch ihre hohe Lebensdauer allerdings im Laufe der Zeit. Die Qualität einer Viscoschaummatratze hängt darüber hinaus ebenfalls von ihrer Zusammensetzung ab.

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Leider setzen einige Hersteller ihren Produkten giftige Stoffe wie Öle bei, um die gewünschten Eigenschaften preisgünstig herstellen zu können. Um dies ausschließen zu können, ist es empfehlenswert, eine hochwertige Schaumstoffmatratze von einem renommierten Hersteller zu bevorzugen und gegebenenfalls auf bestimmte Zertifizierungen wie den Öko-Tex Standard 100 oder das QUL-Siegel (Qualitätsverband umweltfreundlicher Latexmatratzen) zu achten.

Der Aufbau von Viscoschaummatratzen

In der Regel besteht eine Viscoschaummatratze aus einer konventionellen Schaumstoffmatratze mit einer entsprechenden, nicht abnehmbaren Umhüllung. Dies verhindert, dass der Nutzer beim Schlaf zu tief in die Oberfläche einsinkt, falls er sich nur wenig bewegt. Viscoschäume besitzen eine relativ hohe Raumdichte und sind schwerer als Kaltschaum, so dass es gerade bei diesen Modellen sinnvoll ist, auf ein hohes Raumgewicht zu achten.

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Allerdings benutzen renommierte Hersteller für ihre Modelle ohnehin Materialien mit einer überdurchschnittlichen Qualität, um langlebige und hochwertige Produkte anzubieten. Es ist deshalb sinnvoll, bei dem Kauf von Viscoschaummatratzen nicht allein auf den Preis zu achten, sondern Modelle von bekannten und erfahrenen Fabrikanten zu bevorzugen.

Vorteile für einen angenehmen und gesunden Schlaf

Eine Matratze aus Viscoschaum bietet in den meisten Fällen zahlreiche Vorteile und besitzt nur wenige Nachteile. Sie bietet ein sehr angenehmes Liegegefühl und stützt den Körper zuverlässig ab, so dass eine ergonomische Schlafposition gewährleistet ist. Darüber hinaus finden Keime und Milben in dem Stoff keinen geeigneten Nährboden, wodurch dieser deren Vermehrung indirekt entgegenwirkt. Bei imprägnierten Matratzen können sich diese überhaupt nicht, bei auf Ester und SAF basierenden Unterlagen nur sehr gering in die Oberfläche eindringen.

Vorteile fuer einen angenehmen und gesunden Schlaf
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Einen großen Vorteil bietet das Material darüber hinaus für Menschen mit regelmäßigen Rücken- oder Gelenkschmerzen und Personen, die viel liegen müssen. Durch die flexible Oberfläche entstehen im Vergleich zu anderen Schaumstoffmatratzen kaum Druckpunkte, was einem Dekubitus in vielen Fällen vorbeugt. Bei der Lebensdauer kann sich die Matratze mit hochwertigem Kaltschaum messen und die Materialermüdung spielt im Unterschied zu Federkernmatratzen nur eine untergeordnete Rolle.

Nachteile und Einschränkungen einer Viscoschaummatratze

Der größte Nachteil von Viscoschaum ist mit Sicherheit die geringe – bei imprägnierten Schäumen nicht vorhandene – Atmungsaktivität. Aus diesem Grund eignen sich die Matratzen nicht für Menschen, die im Schlaf stark schwitzen. Um seine Eigenschaften nutzen zu können, darf die Temperatur nicht unter 15° Celsius im Schlafzimmer sinken, da sich ab diesem Punkt das Material versteift.

Unruhige Schläfer, die ihre Position häufig wechseln, profitieren ebenfalls nur wenig von den Vorzügen, weil sich die Oberfläche durch den kurzen Kontakt nicht ausreichend erwärmt.

Zuletzt eignen sich die meisten Matratzen aus Viscoschaum nur eingeschränkt für Bauchschläfer, die beim Schlafen häufig zu tief mit dem Körper einsinken, während der Kopf auf dem normalen Niveau verharrt.