Mutter mit Baby - was ist Ammenschlaf?
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Was ist Ammenschlaf?

Ein leises Wimmern, kurz darauf ein gellender Schrei und schon ist Mama aus dem Bett gesprungen und steht neben dem Babybettchen parat. Das Kleine beruhigt sich – im Idealfall – und nach einer Weile finden beide wieder in den Schlaf – bis nach wenigen Stunden erneut kleine Geräusche der Babystimme erklingen. Sofort reagiert die Mutter mit schlaftrunkenen, aber tröstenden Worten. In dieser Weise zerstückelt sich die Nacht in viele kleine Einheiten aus Schlafen, abrupt Aufwachen und Betreuen, im Arm wiegen und jederzeit wachsam sein. Doch was erleben wir hier genau? Wer jetzt denkt: Einen zwar notwendigen, aber auf Dauer äußerst anstrengenden Prozess, liegt richtig. Die Medizin und Schlafforschung bezeichnet das Schlafphänomen als Ammenschlaf.

Wenn acht Stunden Schlaf nur ein schöner Traum sind

Grundsätzlich handelt es sich bei dem Ammenschlaf um eine zeitweilige Veränderung des Schlafverhaltens. Diese tritt vorwiegend bei Frauen auf, die ein Neugeborenes versorgen. Dementsprechend leitet sich der Begriff von der einstigen Funktion der Amme ab. Allerdings können auch Väter oder Menschen jenseits der Elternzeit von dem Phänomen aus dem Schlaf gerissen werden.

Baby wird von Mutter im Kinderbett beruhigt - Ammenschlaf der Eltern
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Wie funktioniert der Ammenschlaf

Die Ammentätigkeit übernahmen zu früheren Zeiten Frauen, die selbst gerade ein Kind zur Welt gebracht hatten und daher stillfähig waren. Meist gegen Lohn war eine solche Amme bereit, ein fremdes Kind mit ihrer Milch zu versorgen. Da schrittweise auch eine umfassendere Pflege der Säuglinge zum Aufgabenfeld hinzukam, bekam das Wort einen erweiterten Sinn als Pflegerin oder Betreuerin.

Somit betont der Ammenschlaf den fürsorglichen Charakter, den dieses Schlafphänomen mitbringt. Was dabei genau passiert ist Folgendes: Unabhängig davon, wie wenig Ruhe die Mutter bekommen hat, in welcher Schlafphase sie sich gerade befindet oder wie erschöpft sie ist: Sobald ein Geräusch ertönt, das mit ihrem Säugling in Verbindung steht, funktioniert dieses wie ein Warnsignal und weckt sie auf. Das muss kein lautes Schreien sein. Bereits die ersten kleinen Töne genügen. Tatsächlich muss es sich überhaupt um keinen Klang handeln, auch Geruchsreize – etwa von Kot oder Erbrechen – können genügen.

Mutter kümmert sich um Baby im Bettchen
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Selektives Erwachen – das Gehirn entscheidet

Kleinste Signale des Babys wecken die Mutter. Donnernder Baulärm von der Straße hingegen lässt sie unbeeindruckt weiterschlafen. Das beinhaltet gleich zweierlei interessante Aspekte:

  • die Weckschwelle ist nicht allgemein herabgesetzt
  • die Reize zum Aufwachen müssen für die Mutter babyspezifisch sein

Dahinter steht ein sogenanntes selektives Erwachen, das für den Ammenschlaf so typisch ist. Dafür ist es wichtig zu wissen, dass das Gehirn auch während wir schlafen, unbewusst die ganze Zeit weiter Geräusche und andere Sinneseindrücke wahrnimmt und diese bewertet: in wichtig und unwichtig unterteilt. Diese Funktion kann überlebenswichtig sein, und bei potenziell gefährlichen Reizen wie Sirenen, Brandgeruch oder Einbruchslärm zum rettenden Erwachen führen.

Wann und ob ein Reiz es vermag, Sie aus dem Schlummer zu reißen, hängt neben der Tiefe des Schlafes und der Schlafphase also vor allem davon ab, wie das Hirn die Information im Unbewussten abgespeichert hat. Selektives Erwachen umfasst bei Müttern also alles, was mit dem Kind in Zusammenhang steht. Die Weckschwelle, also die Intensität des Reizes, hängt nicht von seiner Stärke wie laut oder leise oder einer wirklichen Gefahr ab, sondern von seiner Quelle: dem Säugling.

Junge Mutter kümmert sich um schlafendes Baby
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(K)eine Frage des Geschlechts

Gibt es den Ammenschlaf nur bei Müttern, also Frauen? Diese Frage liegt nahe, ihre Antwort lautet eindeutig: Jein. Denn in vielfacher Hinsicht ist das weibliche Geschlecht tatsächlich eher für spezifizierte Weckschwelle ausgestattet, denn:

  1. Gewöhnlich trägt die Mutter die Hauptverantwortung bei der Kindesversorgung, also die Rolle der Amme.
  2. Hormonelle Veränderungen im Zuge der Schwangerschaft sollen zu dem Schlafphänomen beitragen und die Weckschwelle beeinflussen.
  3. Zudem hält sich die Annahme, es handle sich um einen angeborenen Urinstinkt der Frau. Forscher untersuchen das weibliche Gehirn auf entsprechende Veränderungen, einschlägige Ergebnisse stehen jedoch noch aus.
  4. Generell haben Frauen häufig einen leichteren Schlaf als Männer
Vater hat schlafendes Baby auf dem Arm
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Spannend ist nun jedoch, was passiert, wenn der Vater die Hauptverantwortung trägt, etwa weil beide Eltern es so entscheiden oder weil er das Baby allein aufzieht. Hier ist es tatsächlich aller weiblichen Grundinstinkte zum Trotz so, dass der Mann ebenfalls zum Ammenschlaf neigt. Die Weckschwelle eines hauptverantwortlichen Vaters ist ebenfalls derart auf die Signale des Kindes ausgerichtet, dass er gezielt dadurch leichter aufwacht.

Ammenschlaf jenseits der Elternzeit

Wer nun darauf hofft, das Schlafverhalten möge sich normalisieren, sobald die Kleinen „aus dem Gröbsten heraus“ sind, muss eine Enttäuschung verkraften: Natürlich werden die Nächte wieder länger, sobald das Kleinkind anfängt, in seinem Kinderbett durchzuschlafen. Dennoch bleibt der Hang zum Ammenschlaf insbesondere bei Müttern auch bis weit ins Teenager-Alter des Nachwuchses erhalten. Zwar ist die reine Weckschwelle jetzt nicht mehr so stark auf das Kind geprägt. Allerdings schlafen viele Frauen erst beruhigt ein, wenn sie nach der Teenie-Party spätnachts die Tür ins Schloss fallen hören und damit wissen: Das Kind ist wieder sicher im Nest gelandet.

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Sonstige Einflüsse auf die Weckschwelle

Obwohl das Schlafphänomen Ammenschlaf in erster Linie mit der Elternzeit in Verbindung gebracht wird, können die charakteristischen Grundzüge wie selektives Erwachen und die speziell angepasste Weckschwelle auch in vollkommen anderen Lebenssituationen auftreten. Dazu zählen vor allem zwei:

  1. ungewohnte Situationen
  2. negativ verbundene Reize
Junge Frau kann nachts nicht schlafen
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Gefahrenabwehr in neuer Umgebung

Im Ungewohnten kann immer eine Gefahr lauern, diesen Instinkt haben wir uns von unseren Urahnen aufrechterhalten. Damals war es schließlich entscheidend, früh genug zu erwachen, wenn vor der Höhle bereits der Säbelzahntiger lauerte. Heute sind die fraglichen Momente zwar vergleichsweise gemütlicher, führen aber dennoch zu einem ähnlichen Effekt. Im Hotel schlafen wir beispielsweise schlechter und wachen schneller auf. Dahinter soll der Ammenschlaf stecken: Das Gehirn steht im Standby-Modus und rüstet sich für mögliche Eindringlinge vor der Tür oder ähnliche Geschehnisse.

Weckschwelle durch spezielle Geräusche herabgesetzt

Dem Sprichwort zufolge haben Dinge genau den Stellenwert, den wir ihnen beimessen. So verhält es sich auch mit Geräuschen sowie sonstigen Reizen und deren Einfluss auf die Weckschwelle. Schließlich wacht der verantwortliche Elternteil beim Ammenschlaf vorwiegend deshalb so leicht auf, sobald sich das Baby meldet, weil sein Gehirn tief verankert hat: „Ich muss für das Kleine da sein.“ Damit sind starke Gefühle verbunden.

Ähnlich funktioniert es leider auch mit unliebsamen Geräuschquellen. Ärgern Sie sich also etwa regelmäßig über das Schnarchen von der anderen Betthälfte, dann erhält dieser Klangreiz durch die damit verbundene Emotion, den Ärger, eine besondere Wichtigkeit. Das Gehirn entscheidet in der Folgenacht, ein wichtiges Geräusch gehört zu haben und lässt Sie erwachen. Sie ärgern sich umso mehr, ein Teufelskreis beginnt.

Eltern übermüdet am Kinderbett - Ammenschlaf bedeutet unregelmäßig Schlafen
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Aufwachen oder nicht aufwachen?

Niemand wird bestreiten, dass der Ammenschlaf für Eltern eine sehr nützliche Einrichtung der Natur ist. Dennoch kann der daraus entstehende Schlafmangel über Dauer gesundheitliche Folgen wie ein geschwächtes Immunsystem, Kopfweh oder erhöhte Reizbarkeit mitbringen. Setzen sich die Schlafstörungen über einen längeren Zeitraum fest, können ernsthafte Erkrankungen daraus hervorgehen. Das kann etwa durch Ängste oder eine wie beim Schnarchen gestörte Weckschwelle passieren.

Wichtig ist es dann, den Ammenschlaf nicht zum Dauerzustand werden zu lassen, sondern für geruhsame Nächte im Schlafzimmer zu sorgen. Stets unter Anspannung stehende Mütter sollten bereits tagsüber für Entspannung sorgen, etwa durch Gespräche, Ruhepausen, Meditation oder spezielle Tees oder Bäder vor dem zu Bett gehen. Und ganz wichtig: Versuchen Sie bei negativ belegten Geräuschen ruhig zu bleiben. So lernt das Gehirn schrittweise wieder, dass dieses Schnarchen oder der immer nachts lautstark telefonierende Nachbar nicht so wichtig, nicht gefährlich und schon gar kein Grund zum Erwachen sind.

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