Micromodal Matratzenbezug

Materialkunde: Micromodal

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Wenn es um die besten Stoffe im direkten Hautkontakt geht, gelten Naturmaterialien als die deutlichen Gewinner. Empfehlungen für Textilien wie Bettwaren, Kleidung oder Unterwäsche gehen klar hin zu Baumwolle, Leinen oder Seide: Deren hautfreundliche Eigenschaften sind in der Tat kaum zu übertreffen – ein Mitstreiter schafft es aber doch. Das Multitalent kommt aus dem schönen Österreich und heißt Micromodal. Aber was ist Micromodal überhaupt und worin liegt sein Geheimrezept?

Naturähnliche Fasern verstehen

Neben den gängigen Naturfasern erfreuen sich sogenannte naturähnliche Materialien zunehmender Beliebtheit. Viskose ist darunter der bekannteste, nicht aber der älteste Vertreter. Tatsächlich gab es vorher schon Modal und Microfaser. Der jüngste im Bunde der naturähnlichen Stoffe für Textilien heißt Tencel. Hier gibt es nun einige Gemeinsamkeiten, um nicht zu sagen, verwandtschaftliche Beziehungen. Denn während Viskose für sich steht, stammen Modal und Co. aus dem Hause Lenzing und wurden von den Österreichern erfunden. Viskose bringt das Unternehmen mittlerweile allerdings ebenfalls in einem einzigartigen Verfahren auf den Markt.

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Du ahnst es: Auch Micromodal besitzt dieselben Wurzeln. Lenzing wiederum ist ein mittlerweile weltweit extrem erfolgreiches Unternehmen. Bereits 1938 in der gleichnamigen oberösterreichischen Gemeinde gegründet, widmet sich Lenzing einem erstaunlichen Ziel: Aus dem für seine Härte bekannten Rohstoff Holz macht das Unternehmen weiche, zart fließende Gewebe. Und genau das haben nun wirklich alle der innovativen naturähnlichen Fasern gemein: Sie entstammen der Cellulose von Pflanzen wie etwa Bambus, Eukalyptus oder verschiedenen Hölzern. Soweit bleibt alles Natur pur. Allerdings bedarf es anschließend einer mehrschrittigen chemischen Aufbereitung, um von der starren Cellulose zu einem überaus weichen Stoff für Bettwaren oder Mode zu gelangen.

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Was ist Micromodal?

Für die Herstellung aller Modalstoffe finden ausschließlich Buchen Verwendung. Zunächst bereiten Fachleute die Cellulose der Bäume chemisch auf. Dadurch entsteht eine feine Faser, die sich anschließend verspinnen und veredeln lässt. Das Endprodukt besitzt alle Vorteile, mit denen Baumwolle, Seide oder Leinen glänzen – und zwar alle diese Vorzüge zusammen!

Micromodal ist ein aus Buchen gewonnener Naturstoff
© rosstek – stock.adobe.com

Wie der Name andeutet, handelt es sich um eine Microfaser. Sie ließe sich als die etwas feinere, sogar noch elegantere Schwester von Modal bezeichnen. Diese besondere Finesse sorgt für eine herausragend weiche Qualität – es wird gemunkelt, dass Micromodal hier sogar Seide übertrifft. Hinzu kommt, dass der Stoff trotz seiner luxuriösen Struktur dennoch so saugfähig ist wie Baumwolle und auch ebenso widerstandsfähig.

Die Vorzüge von Micromodal auf einen Blick

  • äußerst weich und anschmiegsam
  • glatte Oberfläche
  • elastisch und formstabil
  • sehr hautfreundlich und absolut reizarm
  • formstabil auch bei zahlreichen Wäschen
  • sehr aufnahmebereit für Flüssigkeit
  • schnell trocknend
  • nahezu knitterfrei
  • atmungsaktiv

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Mögliche Nachteile:

  • etwas empfindlicher als die robuste Schwester Modal, also womöglich geringere Waschtemperaturen nötig
  • wie alle naturähnlichen Fasern wärmt Micromodal kaum, darin kann im Sommer allerdings auch ein Vorteil liegen

Wie gemacht für schöne Nächte

Alle Arten von Modal kommen immer dann besonders gern zum Einsatz, wenn es um direkten und länger andauernden Hautkontakt geht. Dazu zählen neben Unterwäsche oder Funktionsbekleidung für den Sport auch luftige leichte Sommerblusen oder Kleider. Insbesondere alle Textilien rund um das Bett zählen ebenfalls zu den Einsatzgebieten, in den Micromodal seine zahlreichen Vorzüge einbringen kann. Es findet Verwendung für:

  • Bettwäsche
  • Bezüge von Matratzen
  • Decken und Kissen
  • edle Nachtwäsche wie etwa Pyjama und Negligé

Seine seidig weiche Oberfläche lässt das Material im Handumdrehen zur Lieblingsbettwäsche avancieren. Bei sonstigen Bettwaren brilliert die Microfaser mit ihrer hohen Saugkraft sowie ihrer elastischen Qualität. Da Micromodal schnell trocknet und kaum knittert, erleichtert es den Pflegeaufwand erheblich. So bleibt gleich noch mehr Zeit zum Einkuscheln und Schlummern. Allerdings besser vorwiegend in der warmen Jahreszeit: Für frostige Temperaturen eignet sich soft aufgeraute Biber-Bettwäsche einfach besser als die naturähnlichen Stoffe. Hier gewinnt Baumwolle das Rennen.

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Die Microfaser versus Baumwollmaterial

Beide Stoffe gehören zur Crème de la Crème für hochwertige und hautfreundliche Textilien. Der Spoiler vorweg lautet also: Einen eindeutigen Sieger kann es nicht geben. Eher handelt es sich um individuelle Eigenschaften, die jedes Material der beiden für bestimmte Einsatzzwecke besser qualifiziert. Zudem ergeben sie als Mischgewebe ein tolles Team, das sich in seinen Vorzügen gegenseitig unterstützt. Da sie sich jedoch grundsätzlich so ähnlich sind, lohnt die Frage nach den Unterschieden. Es gibt mindestens drei:

  1. Ein Unterschied ist direkt unter den Händen spürbar: Micromodal fühlt sich deutlich weicher an. Baumwollstoffe hingegen lassen sich zwar vielfältig aufbereiten und können daher ganz unterschiedliche Strukturen mitbringen. Dennoch ist das Material selbst etwas fester, weniger fein fließend.
  2. Naturähnliche Fasern aus Cellulose neigen grundsätzlich deutlich weniger zum Knittern als Baumwollgewebe oder Leinen, die als Knitterfreaks bekannt sind. Und natürliche Microfaser knittert aufgrund ihrer besonders feinen Fasern noch einmal deutlich weniger. Wer sich glatte Bettwäsche wünscht und dennoch nicht bügeln will, wird Micromodal-Bettwäsche lieben.
  3. Ein wesentlicher Unterschied liegt in der Anbauart und damit auch in der ökologischen Auswirkung. Baumwoll-Material ist natürlich deutlich klimafreundlicher als nicht-abbaubare Plastikfasern. Dennoch stehen die Baumwollfarmen insbesondere für ihren hohen Wasserverbrauch in der Kritik. Wie sieht es bei der Microfaser aus Buchenholz aus?
Tencel / Lyocellstoff
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Ist Micromodal umweltfreundlich?

Fast könnte das Material im Allgemeinen als richtiger Streber durchgehen. Denn auch in Sachen Umwelt fällt die Bilanz erstaunlich gut aus – wieder ein Spoiler. Aber der relativ öko-schonende Charakter deutet sich bereits in dem Rohstoff an: Buchen wachsen ausgiebig direkt vor Ort in Mitteleuropa. Damit entfällt der erhebliche Eingriff, entlegene Ressourcen nutzbar zu machen. Das Importieren fällt ebenso weg. Außerdem genügen zur Material-Produktion für Textilien die Abfallprodukte aus der Forstwirtschaft. Das sonstige Holz der Buche kann somit anderweitig Verwendung finden. Da die Bäume aber einfach natürlich wachsen, erfordern sie keine künstliche Bewässerung. Bedenkliche Dünger, Pflanzenschutzmittel oder sonstige Pestizide benötige Buchen naturgemäß ebenfalls nicht.

All dies stößt je nach Nachfrage und erforderlicher Menge an Textilien natürlich an seine Grenzen, denn Buchen gehen ihr Wachstum eher gemächlich an. An einer nachhaltigen Nutzung führt somit dennoch kein Weg vorbei. Die chemische Weiterverarbeitung lässt sich zudem nicht mit Luft und viel gutem Willen bewerkstelligen. Hier kommen Chemikalien zum Einsatz und es entstehen etwa Schwefelwasserstoff und Schwefelkohlenstoff. Ein weiteres großes Plus liegt allerdings im völligen Verzicht auf Tierleid. Anders als bei bedenklichen Verfahren, um Wolle, Daunen oder Seide zu gewinnen, bleiben Tiere bei einem Material aus Cellulose absolut unberührt.

Mädchen umarmt Baum
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Fazit: Micromodal – in jeder Hinsicht gut tragbar

Was ist Micromodal? Eine Pflanzenfaser, die es in sich hat! Ausschließlich aus den Forstresten der Buche gewonnen, kann die Microfaser mit einer verhältnismäßig umweltfreundlichen Gewinnung punkten. Allein dadurch lässt es uns besser schlafen als so manch anderes Material für Bettwäsche, Bezüge und Nachtwäsche. Darüber hinaus sorgt der Stoff durch seinen weichen Komfort für schöne Nächte. Optisch glänzt er mit seiner besonders feinen Struktur und wirkt noch ein Stück eleganter und dichter als etwa Viskose. Auch beim Reinigen und Pflegen gibt es kein böses Erwachen, denn die Faser lässt sich problemlos in der Maschine waschen, trocknet im Höchsttempo und verzichtet auf lästige Knitterfalten.