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Viscoelastische Matratzen

« Was steckt hinter dem Titel? »

Spätestens seit der Jahrtausendwende setzt sich die viscoelastische Matratze immer stärker gegen ihre Konkurrenz aus Kaltschaum-, Federkern und Gelmatratzen durch. Der Grund liegt in den universellen und vielseitigen Eigenschaften des Materials, bei dem einige Hersteller ihren Kunden per se einen optimalen Schlafkomfort versprechen. Diese Aussicht ist zweifellos übertrieben, denn gesunder Schlaf ist immer das Resultat aus zahlreichen Faktoren und kann mit Sicherheit nicht das ausschließliche Ergebnis der Matratze darstellen. Ihr hoher Einfluss auf eine entspannende und erholsame Nachtruhe bleibt dennoch unbestritten – eine geeignete Unterlage kann sie ebenso fördern wie stören. Viscoelastischer Schaum zeigt in diesem Kontext ein hohes Potenzial, das nicht unterschätzt werden sollte.

Viscoelastischer Schaum – Ein Material reagiert auf seine Umwelt

Die viscoelastische Matratze ist ebenso wie das heute in nahezu jedem Haushalt anzutreffende Teflon ein direktes Ergebnis der Weltraumforschung. Um die Belastungen zu minimieren, die auf Astronauten während Beschleunigung und Abbremsen bei Start und Landung einwirken, erforschte die NASA sich selbst regulierende Werkstoffe.

7-Zonen-Visco-Kaltschaummatratze-viscoelastische-matratzen

Viscoschaum besitzt dabei das außergewöhnliche Kennzeichen, dass seine Härte und sein Widerstand bei geringen Änderungen der Umgebungstemperatur variiert. Der Unterschied zwischen Raumtemperatur und Körperwärme besitzt bereits einen spürbaren Einfluss auf die Oberfläche – an Stellen mit Hautkontakt erwärmt sich viscoelastischer Schaum rasch und gibt dabei nach. Gleichzeitig speichern Viscoschaummatratzen einen Teil der Wärmeenergie und geben sie langsam wieder an ihre Umwelt ab, wenn der Hautkontakt als Quelle abbricht.

7-Zonen-Kaltschaum-Matratze mit zusaetzlicher Visco-Schaum-SchichtWährend dieses Prozesses erstarrt der Schaum und kehrt langsam in seine ursprüngliche Form zurück – wegen dieser kurzzeitigen „Erinnerung“ an seine aktuelle wie ursprüngliche Form nennt sich das Material ebenfalls Memory Foam (Gedächtnisschaum). Chemisch handelt es sich um Polymere aus Kunststoff, die einerseits extrem belastbar sind, andererseits von sich aus wieder in ihre ursprüngliche Form zurückkehren können.

Der entscheidende Unterschied zu Kaltschaum besteht darin, dass eine viscoelastische Matratze nicht permanent denselben Widerstand – also einen dauerhaft unveränderten Gegendruck – bei einer Belastung ausübt. Stattdessen gibt sie an den entsprechenden Stellen nach und „merkt“ sich ihren Zustand. Erst geänderte Umweltbedingungen, in diesem Fall die Temperatur, fungieren bei Werkstoffen mit „Gedächtnis“ wie Viscoschaum als Signal, in ihren ursprünglichen Zustand zurückzukehren.

Mehrstufiger Aufbau von Viscoschaummatratzen

Ein viscoelastischer Schaum allein eignet sich nicht für die Herstellung einer ergonomisch und anatomisch korrekten Matratze. Sie besäße einen sehr niedrigen Gegendruck und der Schläfer würde so tief einsinken, dass eine Änderung der Position schwierig und unbequem wäre. Aus diesem Grund besitzt eine viscoelastische Matratze eine feste, zentrale Lage, die wahlweise aus Kaltschaum besteht oder einen Federkern aufweist. Diese ermöglicht den Matratzen die stützende Funktion, die unverzichtbar ist, um sich gesund und komfortabel ausruhen zu können.

Gelmatratze mit Viscokern OrthoMatra GEL viscoelastische-matratzen

Der Memory Foam bildet also lediglich eine äußere Schicht – ein Verfahren, das ebenfalls bei anderen Varianten wie Gelmatratzen (nicht zu verwechseln mit Gelschaummatratzen) zum Einsatz kommt. Wie bei einer reinen Kaltschaummatratze lässt sich der Kern in verschiedene Zonen untergliedern, damit die Nutzer besser schlafen. Bei einem Federkern bedeutet eine solche Einteilung einen ungleich höheren Aufwand und findet deshalb ausschließlich bei sehr hochwertigen Modellen statt.

Gelmatratze mit Viscokern

Die Vorteile eines Federkerns bestehen in einer hohen Punktelastizität und einer guten, dauerhaften Durchlüftung. Diese eignen sich speziell für Bauch- und Rückenschläfer, zeigen aber auch in der Seitenposition günstige Eigenschaften. Für einen Kern aus Kaltschaum sprechen die Aufteilung in verschiedene Komfortzonen und die gute Stützfunktion. Von diesen Merkmalen profitieren vor allem durchschnittlich gebaute Menschen, die in der Seitenposition schlafen.

Die Vorteile einer Viscoschaummatratze

Ist die Oberfläche einer Matratze viscoelastisch, steigert dies nicht allein den Komfort. Es zeigen sich ebenfalls positive Auswirkungen auf die Körperhaltung und die Verteilung des Gewichts, die viele Personen besser schlafen lassen. Durch die weichere Oberfläche liegen die Nutzer bequem, selbst wenn es sich um einen hohen Härtegrad handelt. Das leichte Einsinken führt zudem dazu, dass sich das Gewicht dreidimensional verteilt und neben dem Untergrund auch die Seitenflächen eine stützende Funktion übernehmen. Eine der frühen Verwendungen stellt deshalb die Herstellung von orthopädischen Matratzen für bettlägerige oder geschwächte Patienten dar. Heute verwenden viele Pflegeeinrichtungen viscoelastisch ausgelegte Gegenstände mit, um die Gefahr eines Wundliegens (Dekubitus) im Bett zu minimieren.

Breckle ViscotopperNeben der Unterlage dient der Schaum für weitere Accessoires wie beispielsweise Kopf- und Nackenkissen oder zusätzlich aufliegenden, dünnen Topper. Vorteilhaft bei diesen ist, dass sie in der Regel über eine abnehmbare Schutzhülle verfügen, die sich mit Kochwäsche in der Maschine hygienisch reinigen und desinfizieren lässt. Dies ist allerdings bei einer hochwertigen Viscoschaummatratze häufig ebenfalls der Fall.

Diese besitzen zudem eine bessere und exakte Abstimmung zwischen Kern und Schaum, so dass sich im Zweifel meist die Entscheidung für eine viscoelastische Matratze und gegen eine separate Lösung empfiehlt.

Nachteile von Matratzen mit Viscoschaum

Damit der Memory Foam seine aktuelle Form einnimmt, benötigt er einen gewissen Zeitraum, in dem er sich erwärmt. Obwohl bei modernen Varianten von Viscoschaum dafür bereits wenige Sekunden ausreichen, bedeutet dies eine kurze Frist, in der sich die Unterlage an die Körperhaltung adaptiert. Eine viscoelastische Matratze erschwert zudem Bewegungen leicht, weil sich der Körper aus der erwünschten Kuhle heben und auf einen (zeitweilig) höheren Punkt umlagern muss. Wegen des höheren Widerstands eignet sie sich deshalb weniger für Menschen, denen ein gesunder Schlaf wichtig ist, die sich aber viel und heftig bewegen. Ein zweiter Nachteil besteht darin, dass der Schaum eine niedrige Porengröße und -dichte aufweist. Seine Atmungsaktivität und Durchlüftung liegt somit unter derjenigen von Kalt- oder Latexschaum.

Orthopaedische 9-Zonen-Visco-Kaltschaummatratze viscoelastische-matratzen

Weil das Material zudem gut Wärme aufnimmt und in einem begrenzten Umfang speichert, wirkt es sich negativ bei Menschen auf, die beim Schlafen schnell und viel transpirieren. Dieser Makel lässt sich teilweise durch die Wahl einer Variante mit Federkern relativieren, der jedoch die Einschränkungen nicht vollständig kompensiert.

Kein direkter Einfluss auf andere Faktoren

Eine viscoelastische Matratze besitzt eine besondere Oberfläche – dies ändert aber nicht die weiteren Eigenschaften wie etwa den Härtegrad oder Raumgewicht. Diese Kriterien gelten weiterhin, wenn es um die Auswahl einer geeigneten Unterlage für das eigene Bett geht. Bei dem Lattenrost müssen dabei keine besonderen Faktoren berücksichtigt werden – in diesem Punkt stellen Viscoschaummatratzen identische Ansprüche wie ihre Konkurrenz aus Kalt-, Latex- oder Gelschaum. Auch bei der geeigneten Bettwäsche unterscheiden sich alle Versionen nicht voneinander – dem Einsatz und der Verwendung aller vorhandenen und handelsüblichen Spannbettlaken entsprechender Größe stehen keine Bedenken im Wege.

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Für wen eignen sich Viscoschaummatratzen?

Im Prinzip bietet viscoelastischer Schaum zahlreiche Vorteile, aus denen die meisten Schlafenden einen konkreten Nutzen ziehen. Einschränkungen gelten in diesem Punkt für ausgewählte Gruppen wie sehr unruhigen Schläfern und Menschen, die schnell und viel schwitzen. Sie sollten stattdessen ein angepasstes Bett mit Latex- oder Kaltschaummatratze bevorzugen, weil dieses eine höhere Atmungsaktivität und eine schnellere Reaktion erlaubt. Besonders vorteilhaft zeigt sich der Schaum allerdings bei konkreten Problemen, unter denen beispielsweise geschwächte und bettlägerige Personen leiden. Sie profitieren in erster Linie von der Druckentlastung, die aus der Verteilung des Gewichts in zahlreiche Richtungen resultiert.